Heute, Montag, den 07 Mai 2007 verstarb Viktor Pleschkewitsch im Krankenhaus von Grodno.
Viktor wurde am 01.Mai 1930 in Drachtscha, Region Minsk, geboren. Im Alter von 4 Jahren kam er mit seinen Geschwistern in das dortige Waisenhaus.
Bei Ausbruch des Krieges wurde das Waisenhaus nicht evakuiert und die Kinder sich selbst überlassen. Sie blieben auf dem von Deutschen besetzten Gebiet zurück.
Seine Geschichte beginnt im besonders strengen Winter 1944.
Deutsche Luftangriffe trafen auch das Waisenhaus, die Fenster waren ganz und das Dach teilweise zerstört, die Öfen kaputt. In diesem Winter starben von den insgesamt 360 Kindern 150 an Hunger und Erfrierung. Viktor und sein Bruder versuchten zu überleben.
Von einem deutschen Transportschlitten, der Lebensmittel geladen hatte, wollten sie heimlich etwas entwenden. Sie wurden ertappt und man stellte sie, 13 und 14 Jahre alt, an die Wand zur Exekution. Die Gewehre waren bereits im Anschlag als ein Vorgesetzter Schießverbot erteilte. Angeblich nutzten sie tot niemanden, aber nach Deutschland deportiert hätten sie als Arbeitskraft in der Produktion noch Verwendung.
So kamen die Geschwister nach Kahla, zur "REIMAHG".
Da seine körperliche Kondition nicht besonders gut war, setzte man ihn bei der Feldbahn ein, wo er die Loren zusammenkuppelte. Im strengen Winter 1944/45 verlor er dabei seine Handschuhe, wodurch seine gesamten Finger erfroren.
Nach der Befreiung durch die Amerikaner und nachfolgend bei der sowjetischen Armee arbeitete Viktor als Dolmetscher.
Später kehrte er mit seinem Bruder nach Weißrussland zurück. Sie hatten überlebt.
2005 hatte Viktor Kontakt zum Förderverein "Mahn- und Gedenkstätte Walpersberg" aufgenommen.
Der ihn zur Gedenkfeier nach Kahla einlud und ihn damit einen lang gehegten Wunsch erfüllte, noch einmal den Ort zu besuchen, an dem er vor 60 Jahren arbeitete. Er wurde mit offenen Armen empfangen. Die Achtung und die anhaltende Freundschaft die man ihn entgegenbrachte, war für ihn ein nie gekanntes überwältigendes Gefühl. Nicht zuletzt eroberte Viktor alle Herzen weil er ein bescheidener, stets freundlicher Mensch war, der trotz des Erlebten niemals ein anklagendes Wort äußerte.
Wir werden Viktor niemals vergessen. Seine Freundlichkeit und sein Gesangstalent werden uns stets in Erinnerung bleiben.
Leb wohl, Viktor
