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Geschichte

vor 60 Mio Jahren Entstehung des inselartigen Berges aus mittleren Buntsandstein und Feldspat führenden Schichten mit Toneinlagen
Frühgeschichte  germanische Kultstätte
Mittelalter 3 Sandsteinbrüche werden zur Gewinnung von Baumaterial genutzt
Forstwirtschaft
Weinanbau am Südhang
bedeutende Handelsroute führt über den Berg nach Gotha
1893/1897 Entdeckung und Abbau von kaolinisierten, feldspathaltigem Sand durch die Kahlaer Porzellanfabrik AG und dem Mühlenbesitzer Meltzer, Großeutersdorf

Im Südost- und Südwestteil des Berges entstehen zwei eigenständige unterirdische Bergwerksanlagen.

Die nordsüdlich ausgerichteten zwei Netzsysteme bestehen aus 70 bis 220 m langen, etwa 3,5 m breiten und 4 m hohen Stollen die auf einer Sohle liegen.

1943 Fortgesetzte strategische Flächenbombardements durch die britische RAF und amerikanische USAAF auf deutsche Städte und militärische Industrienanlagen zwingen das Reichswirtschaftsministerium zum Handeln
1944

Führererlass zur Verlagerung von kriegswichtiger Produktion in unterirdische Anlagen

Thüringen erlangte auf Grund seiner verkehrsgünstigen Lage, einem dichten Infrastrukturnetz und bereits vorhandenen Bergwerken und Stollenanlagen an wichtiger Kriegsbedeutung und war auch bis April 1945 nicht direkt vom Krieg betroffen

Von 41 erfassten Anlagen bot der Walpersberg die besten Voraussetzungen für eine unterirdische Produktionsstätte

Enteignung der Kahlaer und Meltzer`schen Sandgrube durch das Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion

Die Kahlaer Sandgrube umfasst zu diesem Zeitpunkt insgesamt 10.000 m² Abbaufläche.

Auf Initiative von Fritz Sauckel, Gauleiter Thüringens und Hermann Göring, Reichsmarschall der Luftwaffe, kommt es zur Gründung der "REIMAHG"

Sie ist Bestandteil der NS-Industriestiftung "Gustloff-Werke", Weimar.
Geplantes Ziel: die Serienproduktion des Düsenjägers Me 262

11. April - Baubeginn am und im Walpersberg, beteiligt sind über 100 Firmen.

Zeitgleich entstehen 10 Haupt- und 18 Nebenlager in denen bis Kriegsende 15.000 Menschen aus ganz Europa untergebracht waren.

Fritz Sauckel, Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz, nutzte sein Amt für die Beschaffung des benötigten Arbeitskräftepotentials.

Aus dreizehn Ländern wurden Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Zivilarbeiter rekrutiert, dazu kamen zwangsverpflichtete Deutsche sowie Jungen und Mädchen der HJ und BDM

Im April, zum Baubeginn, treffen die ersten Zwangsarbeiter, 400 Italiener, ein, bis November steigt die Zahl auf 12.000 an

Keines der Lager war bis Kriegsende fertig gestellt.

1945

Januar - zu diesem Zeitpunkt sind fertig gestellt:

Betriebskrankenhaus im Hummelshainer Schloss mit 4 großen Krankenbaracken im Schlosspark

Verladebahnhof mit Zuganbindung nach Orlamünde

40 Stollen je 400m lang, für Werkstätten
75 Stollen, Gesamtlänge: 15 km
7 große Haupteingänge

2 Montagehallen, 100m x 30m
4 große Stahlbeton Bunker, 100m x 20m
5 große Holzhallen, 100m x 20m

sowie eine Startbahn, 1100m x 33m, auf dem horizontalen Bergrücken und ein Aufzug für Flugzeuge

August 44 - April 45 - Alliierte Luftaufklärung durch "Allied Central Interpretation Unit" (ACIU) und "Office of Strategic Services" (OSS)

Das Werk und seine Funktion werden in Medmenham/England, der alliierten Luftbildauswertungsstelle, durch Constance Babington-Smith entdeckt

Februar - das erste unterirdische Werk Deutschlands mit kompletter Montage und Startbahn beginnt am 21.02. mit dem Start des Düsenjägers Me 262 seine Produktion. Die Anzahl der fertiggestellten Flugzeuge beträgt zwischen 20 und 26 Maschinen.

Produziert wird in einem Teilbereich der unterirdischen Anlage, der "Stelle 0", alle anderen Bauarbeiten sind noch nicht abgeschlossen

April - die 89.US Infanterie Division, im Tross der Dritten Armee unter General Patton, besetzt Thüringen und damit auch die "REIMAHG"

Registrierung, Betreuung und Rückführung der Zwangsarbeiter

Technisch-materielle Inspektion des Werkes durch alliierte Spezialeinheiten den Combined Intelligence Objectives Subcommittee (CIOS) und United States Strategic Air Forces (USSTAF)

April - das belgische 16. Füsilierbataillon bewacht das Werk und seine Lager

Juli - Die Sowjetarmee übernimmt Thüringen und alle Rüstungsanlagen

1946-1952 Nach dem alle vorhandenen Rüstungsgüter, Baumaschinen, Grubentechnik und Transportmittel konfisziert und nach Osten abtransportiert wurden, werden die gesamten Außenlagen, Haupteingänge, Startbahn und Abschnitte des unterirdischen Stollensystems gesprengt
1953-1974 Nutzung einiger Stollen als Lagerfläche für Kartoffeln und für das Bohrkernarchiv der DDR.

1965 - Bau und Einweihung einer Gedenkstätte auf dem ehemaligen "REIMAHG" Gelände.
Es finden jährlich Gedenkfeiern für die Opfer und Überlebenden des Werkes statt

1974 - Abbruch der alten und Einweihung einer neuen Gedenkstätte im Leubengrund bei Kahla,

1975-1990 Ausbau und Inbetriebnahme eines Teilbereichs der unterirdischen Anlage durch die Nationale Volksarmee der Deutschen Demokratischen Republik.
1990-1997 Im Verlauf der deutschen Wiedervereinigung übernimmt die Bundeswehr die Anlage bis zur Schließung des Objektes und deren Übernahme als ehemaliges militärisches Objekt durch das Bundesvermögensamt Erfurt.
2003 Nach 29 Jahren findet wieder eine Gedenkfeier am Walpersberg statt, viele ehemalige Zwangsarbeiter betreten erstmals wieder den Ort ihres Leidens
2004 Mit großer internationaler Beteiligung findet die zweite Gedenkfeier statt.

Gedenktafeln werden angebracht und die Liegenschaft ist an diesem Tag auch für die Öffentlichkeit zugänglich.

Es gibt weitere Gedenkfeiern in den angrenzenden Gemeinden, an den Gedenksteinen ehemaliger Lager

Große gemeinsame Abendveranstaltung mit internationalem Ambiente im "Rosengarten", Kahla

Unsere Arbeit soll nun in Form einer Stiftung fortgeführt werden, die Satzung wird in Zusammenarbeit mit Behörden, Ministerien und der Uni Jena erarbeitet

2005 Höhepunkt: Gedenkfeier zum 60. Jahrestag der Befreiung

Erstmalig wird ein internationales Jugendlager mit Projekten zur Zwangsarbeit organisiert

Botschafter, Konsule und die große Anzahl internationaler Gäste kam aus Italien, Belgien, Polen, Holland, Weißrussland, Deutschland, Chile, USA und England.

Einweihung neuer Gedenktafeln

Abendliche Gedenkfeier am und im Hummelshainer Schloss, dem ehemaligen Betriebskrankenhaus der "REIMAHG"

Gemeinsame Abschlussveranstaltung mit allen Gästen in Kahla

Die komplexen Zuarbeiten zur Gründung der Stiftung "Mahn- und Gedenkstätte Walpersberg" laufen weiter.

Die Arbeit zu einem umfassend informativen Buch zur Geschichte der "REIMAHG" hat begonnen.