Internationale Tagung zum Thema Zwangsarbeit
"Im Juli 1943 wurde Mussolini durch den "Faschistischen Großen Rat" abgesetzt und auf Anordnung von Viktor Emanuels III. verhaftet. Inhaftiert auf dem Gran Sasso, Abruzzen, wurde er dort am 12.09.1943 von deutschen Fallschirmjägern befreit.
Mit deutscher Hilfe bildete Mussolini eine faschistische Gegenregierung und rief die "Soziale Republik Italien" aus. Von Salò (Gardasee) aus versuchte Mussolini, die Herrschaft in Nord- und Mittelitalien wiederzuerlangen.
Er blieb jedoch ein Instrument der deutschen Besatzungstruppen. Das Staatsgebiet der "Republik von Salo" schrumpfte gleichermaßen mit dem Rückzug der deutschen Truppen aus Italien."
Quelle: de.wikipedia.org
Anfang April 1944 trafen in Kahla die ersten Zwangsarbeiter ein. Unter den Italienern befanden sich neben Kriegsgefangenen, den so genannten "IMI" (Italienische Militärinternierte), auch Zivilisten, die bei Razzien festgenommen wurden.
Das Deportationsschicksal dieser Menschen hat, 61 Jahre nach Kriegsende, noch kein Ende gefunden. Die Anerkennung ihres damaligen Status als Kriegsgefangene wird ihnen bis heute verwehrt und somit auch ein Anspruch auf Entschädigung.
Für die Zivilisten, die als Zwangsarbeiter nach Kahla kamen, ist die Situation eigentlich noch schlechter, da sie keine genau definierbare Gruppe von Opfern darstellen. Damit bleibt in Italien dieses Thema auch in Zukunft noch aktuell.
So fand am 01. Februar 2006 in Piacenza eine internationale Tagung zur Thematik Deportation und Zwangsarbeit im Dritten Reich statt.
Organisator war Frau Carla Antonini, Leiterin des Instituts für Widerstand und Zeitgeschichte in Piacenza. Sie engagiert sich besonders für die Opfer aus der Region um Piacenza.
Zu dieser Tagung eingeladen, fuhren Hartmut Schütze, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins "Mahn- und Gedenkstätte Walpersberg" e.V. sowie Patrick Brion, Vorstandsmitglied und zuständig für die internationale Zusammenarbeit des Vereins, trotz der sehr kurzen Vorbereitungszeit, nach Italien.
Am 31. Januar, ein Tag vor der Veranstaltung, fand der erste Kontakt mit Frau Antonini statt.
Tagungsstätte war das wunderschöne "Teatro Municipale" von Piacenza, das mitten im Zentrum liegt und auf eine sehr lange Geschichte zurückblickt.
Der Kinosaal des Theaters war der eigentliche Tagungsort. Im Vorfeld hatten wir einige technische und organisatorische Probleme zu klären.
Dank der guten Zusammenarbeit mit Carla und Gabriella, unserer treuen Dolmetscherin, waren am Dienstagnachmittag alle Details geklärt. Am Abend fand in einem lokalen Restaurant das erste Treffen der Tagungsreferenten statt.
Das leckere Essen und das tolle Ambiente sorgten für eine gute Stimmung und schnelle Kontakte.
Am Mittwochmorgen begann die Tagung, an der über 500 Gäste, darunter viele Jugendliche, teilnahmen. Es freute uns besonders, alte Freunde, wozu auch einige ehemalige Zwangsarbeiter der "REIMAHG" und deren Familienmitglieder gehörten, zu begrüßen.
Nach der Eröffnung durch den Bürgermeister von Piacenza und dem Landrat der Provinz Piacenza kamen die ersten Referenten zu Wort.
Das Programm war gut aufgebaut. Einige der Vorträge waren zwar zeitlich und thematisch sehr umfangreich, jedoch interessant.
Zu Beginn sprach Professor Brunello Mantelli, Universität Turin, über die komplexe Geschichte ab 1943.
Dr. Lutz Klinkhammer, Deutsches Historisches Institut, Rom, referierte anhand seiner bisherigen umfangreichen Forschungen speziell zur Deportationsproblematik.
Andere Gastredner hielten an diesem Tag noch verschiedene Vorträge zum Thema "Die letzten Kriegstage in Italien" und zur Deportation nach Kahla.
Luigi Poggioli, ehemaliger Zwangsarbeiter der "REIMAHG", der zusammen mit Carla Antonini ein Buch über seine Zeit in Kahla geschrieben hat, sprach über diese Zeit. Das anschließende persönliche Gespräch mit Luigi hat uns sehr beeindruckt. Kurz vor der Mittagspause konnte Patrick Brion seinen Vortrag über das ehemalige Rüstungswerk halten. Unterstützt von Gabriella Soldaini, die als Dolmetscherin fungierte, vermittelte er den Anwesenden mit ausgewählten Bild- und Filmmaterial auf anschauliche Weise einen Eindruck von den damaligen geschichtlichen Ereignissen.
Nach dem Mittagsbuffet, von der örtlichen Hotelfachschule hervorragend zubereitet und präsentiert, wurde unser Film zur "Gedenkfeier 2005" in Kahla vorgeführt.
Die gute Vorbereitungsarbeit am Dienstag zahlte sich hier aus, denn Gabriella kannte bereits den Inhalt und konnte somit ausgezeichnet die Erklärungen ins Italienische übersetzen.
Nach der Mittagspause sprach Anwalt Joachim Lau, der die Interessen der ehemaligen italienischen Zwangsarbeiter gerichtlich vertritt, über seine Erfahrungen.
Am Nachmittag folgte ein Vortrag von Cleonice Pignedoli, die sich seit einigen Jahren für die ehemalige Zwangsarbeiter der "REIMAHG" in der Region Reggio Emilia engagiert.
Diesem Vortrag schlossen sich andere Referenten wie Massimiliano Tenconi, Reinhard Sauer, Annalisa Cegna und Ulrich Herbert an.
Die Tagung endete 19.00 Uhr, und man traf sich zu Gesprächen und einem abschließenden Aperitif im Kasino des Theaters.
Die Geschichte der "REIMAHG" ist in Italien durchaus präsent. In vielen Gesprächen konnten auch neue Kontakte geknüpft werden, vor allem da die Aufarbeitung in Italien gerade erst begonnen hat und ein Informationsaustausch von äußerster Wichtigkeit ist. Unsere Vereinsarbeit kann hier entscheidend zum Erfolg beitragen.
Wir freuen uns sehr, dass viele der Anwesenden zu unserer diesjährigen Gedenkfeier im Mai nach Kahla kommen werden.