Languages

Geschichte - Thüringen

Sauckels "Trutzgau" war im Dritten Reich ein wichtiges Gebiet für die Rüstungsproduktion.

Das Jahr 1942 bildete eine Zäsur in der Entwicklung der deutschen Kriegswirtschaft. Die sich bereits abzeichnende Niederlage machte eine Neuorganisation der Wirtschaft und der Arbeitskräftelenkung notwendig. Ein weiteres Merkmal ab 1942 war die völlige Konzentration auf die Rüstungsproduktion. Charakteristisch für die thüringische Rüstungsindustrie waren nicht die großen Hersteller kompletter Systeme, sondern die vielen Spezialfirmen für Rüstungsgüterkomponenten. Die Vielfalt der thüringischen Rüstungswirtschaft sei hier nur kurz am Beispiel der Luftwaffe dargestellt. Schwerpunkte waren der Flugzeugzellenbau (Gothaer Wagonfabrik), Motorenbau (BMW-Flugzeugmotorenwerk Eisenach GmbH) und die Waffenproduktion (H. Krieghoff, Suhl). Weiterhin wurden an Zubehör Fliegerleuchtpistolen (E. Eckold, Suhl), heizbare Fliegerkrummfingerhandschuhe (A. Bulling, Ilmenau), Fliegerpelzstiefel (P. Hoffmann, Stadtilm) und Fliegerspezialkarten (Justus Perthes, Gotha) produziert.


Die Thüringische Glasindustrie war Hauptlieferant von oft in Heimarbeit hergestellten Glasampullen für das Wehrmachtssanitätswesen. Großbetriebe wie Carl Zeiss Jena hatten mehr als 20.000 verschiedene militärtechnische Erzeugnisse im Produktionsprogramm. Neben Ferngläsern, Entfernungsmessern und U-Boot-Sehrohren wurden von Zeiss hauptsächlich Flakkommandogeräte hergestellt.

Die Stiftungsbetriebe der "Nationalsozialistischen Industriestiftung Wilhelm Gustloff" produzierten, (insbesondere in Suhl), rund ein Viertel der gesamten Produktion an Maschinengewehren für das deutsche Heer. In Sömmerda und Stadtilm realisierte die Rheinmetall-Borsig AG mit monatlich über 50.000 Kardangelenkwellen einen Großteil der Gesamtproduktion Deutschlands in diesem Bereich. Allein im Jahr 1943 produzierte die thüringische Industrie unmittelbares Kriegsgerät im Wert von rund 1,6 Milliarden RM. Die Hauptposten waren Flugzeuge nebst Bestandteilen mit 385 Millionen RM und optisches Kriegsgerät mit 248 Millionen RM.

Luftschutzdienste zermürbten insbesondere die Beschäftigten der Großbetriebe.

Anfang 1944 wurde in den "Jäger-Firmen", die in das Jagdflugzeugbauprogramm des "Jägerstabes" integriert waren, eine 72-Stundenwoche eingeführt.

Die zunehmende Zahl der alliierten Luftangriffe erzwang ab 1943 den Aufbau neuer bombensicherer Betriebe.

Die bekanntesten dieser "Produktionsstätten der letzten Minute" in Thüringen sind die Mittelwerk GmbH und die "Werke Reichsmarschall Hermann Göring innerhalb der Gustloff Stiftung" (REIMAHG).
Insgesamt bleibt anzumerken, dass Thüringen eine der kriegswirtschaftlich wichtigsten Regionen Deutschlands wurde und dies auf Grund seiner geografischen Lage bis zum Ende des Krieges blieb.

Anfang April 1945 standen sie an den westlichen Grenzen Thüringens: Die amerikanischen Streitkräfte. Zehn Monate hatten sie seit der Invasion in der Normandie gebraucht, um in das Herz des Dritten Reiches vorzurücken. Ziel der 3. Armee war es, das vermutete Nachrichtenzentrum im Raum Ohrdruf - Gotha - Erfurt - Weimar zu erobern.

Außerdem zielte der Angriff auf das politische und militärische Zentrum des Gaues: Die Landeshauptstadt Weimar.

Der Lagebericht der Wehrmacht war deutlich:

Lagebuch der Wehrmacht vom 4. April 1945
Auf der Naht zur Heeresgruppe G. verschärfte sich die Lage im Thüringer Wald; Gotha, das der Feind auf der Autobahn erreichte, ging verloren. 300 Panzer gegen Eisenach. Langensalza noch feindfrei. Vacha und Schmalkalden gingen verloren. Meiningen ist eingeschlossen. In Suhl Kämpfe. Bei Ohrdruf erzielte der Gegner einen Durchbruch durch den Thüringer Wald und stieß in südwestlicher Richtung weiter vor. Die 6. SS-Geb.-Div., die den Befehl erhalten sollte, im Waldgebiet hinter dem vordringenden Feind weiter zu kämpfen, diesen aber nicht erhielt, kommt nunmehr in die eigene Linie zurück.

Am 1. April überschritten bei Creuzburg die ersten Amerikaner die hessisch-thüringische Grenze.


Dabei wurden rund 80 Prozent der Kleinstadt zerstört. Doch später stießen die Amerikaner kaum noch auf nennenswerten Widerstand. Lediglich im Eichsfeld kam es noch zu vereinzelten Gefechten.

In Thüringen spalteten sich die amerikanischen Streitkräfte auf. Ein Teil eroberte das Gebiet südlich des Thüringer Waldes. Der Raum um Schmalkalden, Meiningen und Suhl wurde rasch besetzt.

Lagebuch der Wehrmacht vom 5. April 1945
Mühlhausen ging verloren. Südlich davon Ruhe. Langensalza noch in eigner Hand. Eisenach wurde beschossen. Südlich Gotha weitere Kämpfe. Über Ohrdruf kam der Gegner bis an Arnstadt heran. Suhl ging verloren.

Andere Einheiten zogen entlang der Autobahn Richtung Osten und operierten im Raum Gotha und Ohrdruf.

Ein dritter Teil marschierte Richtung Norden und begann mit der Eroberung des Raumes um Mühlhausen.


Zwar wurden die meisten Städte und Dörfer kampflos übergeben, doch kam es immer wieder mal zum Beschuss von Ortschaften.

Lagebuch der Wehrmacht vom 6. April 1945
Bei der 11. Armee keine besonderen Ereignisse. Im Raum Mühlhausen - Langensalza scheint der Gegner nicht weiter vorangekommen zu sein. Weitere Angriffe im Thüringer Wald, besonders gegen Eisenach. Auf der Autobahn fuhr er südlich an Gotha vorbei auf Erfurt. Dort wurden die Spitzen angehalten. Auch über Suhl dringen feindl. Panzer vor, konnten sich jedoch nicht der Gruppe Erfurt vereinigen. Arnstadt noch in eigener Hand. An der nach Südwesten verlaufenden Front nur geringe Tätigkeit.

Nach raschen Geländegewinnen erhielt der kommandierende General Patton den Befehl, auf der Linie Meiningen - Ohrdruf - Gotha - Mühlhausen zu halten und das Aufschließen der benachbarten Armeen abzuwarten. Erst am 12. April ging der Vormarsch Richtung Osten weiter. An diesem Tag wurden Erfurt und Weimar eingenommen. Einen Tag später erreichten die Amerikaner Jena. Sie überschritten anschließend die Saale und stießen bis zum 16. April an die sächsische Grenze vor. Thüringen war nun vollständig in amerikanischer Hand.