Die Geschichte des Betriebs- und DP-Krankenhauses in Hummelshain 1944/45

13.​11.​2026 von Uhr

Vortrag am Freitag, 13. November, um 19.00 Uhr im Kahlaer Rathaus

 

Ein wenig bekanntes, aber bewegendes Kapitel unserer regionalen Geschichte steht im Mittelpunkt eines Vortrags am Freitag, den 13. November im Kahlaer Rathaus: die Geschichte des ehemaligen Betriebs- und späteren Displaced-Persons-Krankenhauses im Hummelshainer Neuen Schloss.

1944 entstand am Walpersberg bei Kahla mit der REIMAHG ein riesiges unterirdisches Rüstungsprojekt. Tausende Menschen aus zahlreichen europäischen Ländern wurden hierher zur Zwangsarbeit verschleppt. Die wachsende Zahl der Arbeitskräfte und deren katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen bedingte den rasanten Anstieg von infektiösen Erkrankungen wie Ruhr, Diphtherie, Tuberkulose und Flecktyphus. Aus dieser Situation zum Handeln gezwungen ließ die Werksleitung im Neuen Schloss in Hummelshain ein Betriebskrankenhaus einrichten, dass Ende November 1944 die ersten Patienten aufnahm.

Wie überall herrschte auch im Krankenhaus eine gewisse Ungleichbehandlung der verschiedenen Patientengruppen. Waren deutsche Patienten überwiegend im Schlossgebäude untergebracht, gab es für die vielen ausländischen Zwangsarbeiter nur Baracken im Park. Schnell errichtet und größtenteils nicht fertiggestellt wurden sie dennoch mit Patienten belegt. Die Realisierung der hygienischen Bedingungen war ein ständiger Kampf, zumal Medikamente wie medizinisches Material stets knapp war.

Das Archivmaterial vermittelt zugleich ein differenziertes Bild zu dem medizinischen Personal. Neben deutschen Ärzten, DRK-Schwestern und Krankenpflegern arbeiteten hier ebenso ausländische Ärzte und Pflegekräfte sowie eine große Anzahl Zivilbeschäftigter. Nach Angaben des Fördervereins „Mahn- und Gedenkstätte Walpersberg“ wurden insgesamt 1.088 Patienten behandelt, darunter 980 Ausländer; 191 Personen verstarben im Krankenhaus.

 

Mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen im April 1945 wurde aus dem Betriebskrankenhaus der REIMAHG ein DP-Krankenhaus  („Displaced Persons“). 

 

Die Situation ändernde sich damit grundlegend für Personal und Patienten. Das Krankenhaus bestand noch bis August 1945. Wie viele Menschen dort behandelt wurden und wer sie waren, lässt sich anhand vorliegender Dokumente und Akten belegen.

 

Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Geschichte vom ehemals historischen Bauwerk zum Betriebskrankenhaus der REIMAHG und nachfolgend zum DP-Krankenhaus in allen ihren geschichtlichen wie medizinischen Facetten. Vor allem geht es um Menschen, den Patienten und ihren Geschichten, Krankheiten und ihre Ursache, dem medizinischen Personal vom Arzt bis zum Pflegepersonal, den Beschäftigten, der umfassenden Logistik zur Versorgung und Behandlung ebenso der Vielzahl der Probleme und ihrer Lösungsversuche, um den Krankenhausbetrieb aufrecht zu erhalten.

 

Die Recherchen zu dieser Thematik machten deutlich, wie eng die Geschichte des Walpersbergs, der REIMAHG, Kahlas und Hummelshains miteinander verbunden ist.

 

Die Eintrittskosten des Vortrags wird unser Verein zum Erhalt des Tante-Irma-Museums Hummelshain dessen Verein spenden. Damit wollen auch wir dazu beigetragen, die Geschichte dieses besonderen Ortes zu bewahren und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

Interessierte sind herzlich eingeladen, sich auf eine Spurensuche in ein bislang wenig bekanntes Kapitel der Geschichte unserer Region zu begeben.

 
Foto zur Veranstaltung

 

Veranstalter

Förderverein "Mahn- und Gedenkstätte Walpersberg" e.V., Sitz Kahla

Rudolstädter Strasse 19
07768 Kahla

(0364) 24156397

E-Mail:
www.walpersberg.de